Mein Körper ist ein mieser Verräter

Eigentlich weiß ich nicht, ob ich das überhaupt noch kann. Er hat mir weh getan. Nicht mit seinem Stock oder einem der anderen Spielzeuge. Sondern wirklich. Ich habe Angst, es nochmal so weit kommen zu lassen. Und trotzdem gehe ich heute mit unsicheren Schritten auf die vertraute Tür zu. Nur etwas trinken und reden. Mehr nicht. Es ist bereits dunkel. Autos fahren auf der großen Straße an mir vorbei. Das Licht der Scheinwerfer lässt bizzare, sich bewegende Schatten entstehen, die mit ihren langen Klauen nach mir zu greifen drohen. Es wäre ja überhaupt nicht schlimm, wenn ich es nicht mehr könnte. Menschen verändern sich. Ich ziehe die schwere Tür auf und gehe hindurch. Hinein in die alte Welt. Fort von den Erinnerungen. Sie bleiben draußen, denn an diesen Ort dürfen sie mir nicht folgen.

Ich muss Lächeln. Ein vertrautes Gesicht, warme Augen. Es kommt mir vor, als seien wir uns in einem anderen Leben begegnet und ein bisschen ist es ja auch so. Wir begrüßen uns. Eine kurze Umarmung. Lachen. Die Freude, die ich empfinde, ist echt. Ein schönes Gefühl. Die Zeit bleibt einen Augenblick lang stehen. Einen Augenblick der Ruhe, die ich bei ihm schon immer habe finden können. Dann begrüße ich die anderen. Setze mich zu ihnen an den Tresen. Wir reden und trinken. Alles ist, wie es immer war. Nur ich bin eine andere. Ein bisschen.

Ich sehe es an seinem Blick als er aufsteht. Seine Augen funkeln hungrig. Mit einer schnellen Bewegung ist er an dem Barhocker auf dem ich sitze. Schmerzlich wird mir bewusst, dass ich noch nicht so weit bin. Wieso noch? Eben war ich mir doch nichtmal sicher, ob ich es überhaupt je wieder sein würde.

Die Zweifel verfliegen in dem Moment, in dem er zupackt und meinen Kopf zu sich zieht. Er steht hinter mir. Ist mir ganz nah. Eine Hand in meinen Haaren. Die andere an meinem Hals. Sein Unterarm presst meinen Rücken unnachgibig gegen seinen festen Oberkörper. Ich bin gefangen. Und ergebe mich.

Dann geht alles ganz schnell. Steve kommt dazu. Der Reißverschluss meines Kleides geht auf. Es fällt auf den Boden. Nackt bis auf die halterlosen Strümpfe stehe ich zwischen beiden. Sie sehen mich an. Ein Teil von mir schämt sich, möchte sich bedecken. Doch das werden sie mir nicht erlauben. Er zieht mich wieder auf den Barhocker. Überall spüre ich Hände. Zwischen meinen gespreizten Schenkeln. An meinen Brüsten. In meinem Mund. Ich entspanne meinen Hals und lasse die gierigen Finger tiefer in mich gleiten. So tief bis ich nicht mehr atmen kann. Würgen muss ich nicht. Zumindest nicht so schnell. Erstaunt stelle ich fest, dass man das wohl nicht verlernt. Es ist so lange her.

Ich weiß nicht, wer von beiden an meinen Brüsten spielt. Ich weiß nicht, wer von beiden in mir ist. Ich löse mich in dem Moment auf. In meiner Lust, die mich zucken lässt. In dem Schmerz, der mich wimmern lässt. Wenn sie zupacken und in meine Nippel kneifen. Wenn sie mich schlagen. Wenn sie mich würgen. Einer von beiden fingert mich tief und schnell. Ich spüre wie sich mein Körper verkrampft und es immer nasser zwischen meinen Beinen wird. Aus weiter Ferne höre ich ein leises „Du spritzt ja, du Sau.“

„Das kann ich gar nicht“, antworte ich und weiß, es ist gelogen.

„Und was ist das dann?“

„Das bin nicht ich, das ist mein Körper!“, erwidere ich trotzig. Ich höre ein leises Lachen und ärgere mich. Sie machen sich über mich lustig! Doch die Wut verfliegt so schnell, wie sie gekommen ist. Mein Körper hat sich verselbstständigt. Windet sich in seiner Geilheit, lässt mich spritzen. Hat die Kontrolle übernommen. Ich lasse es zu. Will mich nicht dagegen wehren. Es fühlt sich gut an. So gut. In einem weiteren Orgasmus bäume ich mich auf. Dabei rutsche ich vom Barhocker und lande in seinen starken Armen, die mich ganz fest halten.

„Alles gut“, flüstere ich so leise, dass nur er mich hören kann.

„Wirklich?“

„Ja“

Vorsichtig zieht er mich auf die Beine. Langsam kehrt mein Bewusstsein zurück. Ich weiß, dass ich es wieder können werde. Dass es immer noch in mir ist. Vielleicht brauche ich noch etwas Zeit. Jemanden, der mich führt. Jemanden, der mich beschützt. Jemanden, der mir meine Angst nimmt. Jemanden, der mich vergessen lässt, was geschehen ist. In meinem tiefsten Inneren bin ich aber diejenige geblieben, die ich immer war. Eigentlich wollte ich genau das gar nicht mehr wollen. Doch mein Körper ist ein mieser Verräter. Er will es und ich werde folgen.

 

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