Nadeln.

Eine Erinnerung. Habe mich lange nicht getraut, sie zu veröffentlichen. Finde aber, es ist an der Zeit, sie mit euch zu teilen.

Ich habe geblutet. Meine Brustwarzen haben geblutet. Warm und feucht ist die rot leuchtende Flüssigkeit aus den kleinen Löchern getropft, an meinen Brüsten hinabgelaufen und hat sich in kleinen Pfützen zwischen Körper und Armen gesammelt. Das Blut ist getrocknet. Meine Tränen auch. Die Erinnerung ist geblieben.

Noch immer erschrickt mich die Vorstellung von dem, was da geschehen ist. Was mit mir geschehen ist. Ein Schauer läuft mir bei dem Gedanken an die Nadeln über den Rücken. Es wirkt seltsam surreal. Als könne es gar nicht wirklich passiert sein. Ist es aber. Wieder beschleunigt sich mein Puls.

Es hat so weh getan. Ich hatte schreckliche Angst. Am schlimmsten war die Letzte. Eine von Vier. Ich habe versucht, mich zu kontrollieren, aber es ging nicht. Der Schmerz an der reißenden Haut war heftig. Beißend, hart, stechend. Ich musste schreien. Dann war da deine Hand. Du hast sie auf meinen Mund gepresst. Na klar. Die Nachbarn. Wieder habe ich versucht, mich zusammenzureißen und mich gleichzeitig darüber geärgert. Wenn du mich unbedingt so quälen musst, dann ist das jetzt wohl dein Problem.

Die ersten Nadeln gingen, obwohl die Angst schlimm war. Ich musste meinen Kopf wegdrehen, wollte nicht sehen, wie sie durch die Haut in mich dringen. Mein Körper hat gezuckt und gezittert. Ich müsse stillhalten, hast du lächelnd gesagt, damit die Nadeln nicht verrutschen. Natürlich macht das Sinn. Doch stillhalten zu müssen, damit das, was ohnehin schlimm ist, nicht noch schlimmer wird; stillzuhalten, damit du mich besser quälen kannst – es ist ein grausames Gefühl und in seiner Grausamkeit ist es wundervoll romantisch.
Ich habe meinen Körper angespannt, versucht ihn ganz steif werden zu lassen, damit ich nicht zucke. Ich glaube, ich habe nach deinem Bein gegriffen, um mich daran festzuhalten. Aber genau weiß ich das jetzt nicht mehr. Es ist einfach zu viel auf einmal passiert.

Ein leichter Druck. Ich halte die Luft an. Brennender Schmerz. Der erste Stich. Ich wimmere. Das Metall gleitet unter meiner Haut durch. Kühl, geschmeidig, unnachgiebig. Die Spitze stößt auf einen Widerstand. Es dehnt sich. Sie bohrt sich gierig voran. Durchstößt Schicht für Schicht. Es tut so weh. Wieder muss ich wimmern. Lauter. Eine Träne läuft an meiner Wange hinab. Angst. Dann ist es geschafft. Sie steckt in mir drin. Wirklich. Ich hab es wirklich getan. Vor zwei Wochen war es unvorstellbar. Und jetzt?

Zufrieden lächelnd siehst du mich an. Ich beobachte meinen Körper dabei, wie er sich vor Geilheit aufbäumt. Ich bin nass. Orgasmen in scheinbar endlosen Wellen jagen durch mich hindurch. Lassen mich stöhnen und zittern. Dafür brauchst du mich jetzt nichtmal mehr berühren. Dir gefällt das. Du fasst zwischen meine Beine und lässt mich deine Finger ablecken.

Bei der zweiten Nadel habe ich noch größere Angst. Denn jetzt weiß ich, dass es wirklich wehtut. Wieder sehe ich weg. Beim nächsten Mal will ich dir dabei zugucken. Wenn ich mich das traue.

Benommen blicke ich zu dir auf. Du redest mit mir. Leise, demütigende Worte. Deine Dominanz kann sehr subtil sein, weißt du? Fast freundlich. Manchmal nehme ich sie kaum wahr. Dann kannst du wieder sehr böse werden. Kalt und hart. Ich sage dir, dass ich Angst habe, doch du machst weiter. Und genau das will ich. Genau das fickt meinen Kopf so hart, dass es meine Lust immer weiter steigert. Dicke Kanülen sind fies. Wirklich fies. Aber es ist nur ein kurzer Schmerz, bevor der Endorphinrausch einsetzt. Es bleibt das Bewusstsein darüber, dass etwas in mir ist, das dort eigentlich nicht hingehört. Etwas, das du in mich gesteckt hast.

Die Nadeln in meinen Brüsten sind ein Teil von dir, der mich durchdringt. Das Spiel von Dominanz und Unterwerfung, Zwang und bezwungen werden. Vertrauen. Ein Pakt zwischen uns, der es dir für diese Augenblicke der Lust erlaubt, mit mir zu tun, was du willst.

Die vierte Nadel will ich eigentlich nicht mehr. Ich bitte dich aufzuhören. Obwohl ich weiß, dass es sinnlos ist. Du wirst weitermachen. Vielleicht will ich dir damit meine Angst und meine Zweifel zeigen. Die Gefühle, die dieses Spiel in mir auslöst. Vielleicht gefällt es mir aber auch einfach zu betteln. Vielleicht ist es ein bisschen von beidem. Du erklärst mir mit ruhiger Stimme, dass das nicht ginge. Es müsse ja symmetrisch sein.
Klar. Du reißt die Verpackung der Kanüle auf. Es ist eine von den kleineren, dünneren. Ein kurzer Moment der Hoffnung. Aber du willst sie nicht. Willst eine von den Dickeren.

Symmetrie.

Die Verpackung der neuen Nadel knistert bedrohlich in deinen Händen. Endorphine toben in meinem Kopf. Ich höre mich wimmern. Ein ersticktes „Nein, bitte nicht… Bitte.“ Es hofft vergeblich auf eine Antwort. Dann spüre ich deine Hände. Die Handschuhe, die deine Haut von meiner trennen. Nehme deinen Geruch wahr. Scharfes Metall unter meiner Haut. Der erste Stich ist okay, aber bei dem Zweiten, bei dem die Nadel von Innen durchgestochen wird, habe ich das Gefühl es zerreißt mich. Die Haut dehnt sich einen Augenblick zu lang. Leistet der spitzen Nadel verzweifelten Widerstand. Will nicht durchdrungen werden. Aber das Metall schneidet ganz langsam tiefer hinein. Die Welt scheint stillzustehen. Ein Schrei. Bin ich das etwa? Erleichterung. Dann ist das Schlimmste überstanden. Ich entspanne mich.

Du machst Fotos. Nimmst die Gerte. Schlägst mich. Auf die Schenkel. Und dazwischen. Ich fliege. Lasse mich in meinem Rausch treiben. Ein langer, intensiver Blick. Forschend. Klar und doch voller Lust. Du siehst mir in die Augen als wolltest du direkt in mich hineinschauen. Ich frage mich, was genau du in mir sehen willst. Wonach du suchst. Du hockst dich über mich. Schiebst deinen Schwanz in mich. Tief in meinen Hals. Redest leise mit mir. Stellst mir gemeine Fragen. Sagst mir böse Dinge. Fickst meinen Kopf. Ich bekomme keine Luft. Winde mich unter dir. Versuche zu entkommen. Vergeblich. Nur wenn du ihn rausziehst, darf ich kurz Kräfte und Luft sammeln.
Tief einatmen. Dann machst du weiter. Einzelne Tränen rinnen sanft an meinen Wangen hinab. Eine Reaktion auf meine überreizte Kehle. Richtig weinen kann ich aber nicht. Schleim in meinem Hals. Mein Gesicht ist nass. Nadeln in meinem Körper. Ich spüre sie kaum. Es reicht zu wissen, dass sie da sind. Die Sinneseindrücke überwältigen meine überreizte Wahrnehmung. Zeit und Raum verlieren sich. Die vielen Orgasmen haben mich erschöpft.

Es ist eine sehr sinnliche Erfahrung. Die Angst, der Schmerz und dann der Flug. Der Flug ist unglaublich. Völlige Ekstase. Bei den Nadeln geht es viel schneller als beim Schlagen. Der Rausch ist intensiver. Die Landung härter. Ich mag deinen Sadismus. Die Fähigkeit, nicht auf mich zu hören. Meine Bereitschaft, es dir zu erlauben. Ich ahne, dass etwas Besonderes mit mir geschehen ist. Mit uns. Tiefer als du, war noch nie jemand in mir drin. Ich blute für dich und ich würde es immer wieder tun.

2 Gedanken zu “Nadeln.

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