BDSM Definition

Eine Definition von BDSM ist nicht ganz einfach

Bevor ich meine Neigung akzeptierte, hatte ich unterschiedliche Bilder zu BDSM in meinem Kopf. Ich dachte an Peitschen, an Lack und an Leder. Vor meinem inneren Auge sah ich Frauen, die sich schlagen ließen und Männer, die die Stiefel ihrer Domina leckten. Das Alles verband ich mit sozialen Randgruppen, mit schrägen Menschen, seltsam in ihrem Wesen. Ich fand es geradezu absurd, dass ich selbst darauf stehen könnte.

Tief in mir ahnte ich jedoch, dass ich anders war. Nur BDSM, und meine Definition davon, kamen mir nicht in den Sinn. Ich liebte es, wenn ich härter angefasst wurde und für den Moment der Lust nur noch ein Objekt war. Es gefiel mir, mit meinen Partnern Fesselspiele auszuprobieren. Dabei bediente ich mich sexuell der Dinge, die ich kannte. Es kam immer ein wenig darauf an, was mein gegenüber wollte. Ich bin alles mitgegangen und sie hätten noch viel mehr mit mir machen können. Es war trotzdem eine sehr begrenzte Auswahl, wie ich heute weiß.

All das war schon eine Form von BDSM. Ich wusste es nicht, weil es meine Definition davon sprengte. Tatsächlich sind die Praktiken so vielfältig, wie die Menschen, die sie ausüben. Es geht von soft bis hart, von brutal bis zärtlich, von erniedrigend bis erhebend. Es geht mit Liebe und ohne. Es geht in einer Partnerschaft und außerhalb. Es kommt immer auf die Menschen an, die sich finden, wie weit sie miteinander gehen, was sie gemeinsam kickt und was sie dabei vereinbaren.

Deshalb ist es recht schwer eine allgemeingültige Definition zu finden. Trotzdem umfasst der Begriff ein paar ganz klare Neigungen. Immer geht es um Kontrolle und Kontrollverlust, um Dominanz und Unterwerfung, um Macht und Ohnmacht oder einfach nur um Schmerz. Dazu musst du dir zunächst die Bedeutung anschauen:

BDSM – Das bedeutet die Abkürzung

Bondage, Disziplin, Dominanz, Submission, Sadismus, Masochismus. Diese Begriffe umfassen alles, was innerhalb von BDSM ausgelebt werden kann. Ich umreiße sie bloß oberflächlich, um dir eine ungefähre Definition zu vermitteln. Bald wird es zu jedem Begriff noch eine separate Seite geben. Unter den entsprechenden Tags findest du dann alles Posts, die etwas damit zu tun haben. Bedenke, dass dies ein neuer Blog ist. Nach und nach wird er sich füllen.

Bondage – Die Kunst des Fesselns

Seile winden sich um den Körper. Knoten schneiden in die Haut. Der Gefesselte übergibt sich in die Hände des Fesselnden. Es ist ein Austausch von Macht, der viel mit Vertrauen zu tun hat. Manche stehen ausschließlich auf diese Spielart. Weder SM (Sadomasochismus) noch D/s (Dominanz und Submission) kommen für sie in Frage. Die Ursprünge liegen in Japan und mittlerweile gibt es weltweit großartige Fesselkünstler. Eine Fesselung kann sehr zeitaufwändig sein. Es ist ein unglaublich intimes Erlebnis zwischen den beiden Fesselpartnern. In den Ausgaben  SZ 148 und SZ 149 des BDSM-Magazins Schlagzeilen vom Hamburger Charon Verlag ist jeweils ein Special dazu erschienen.

Disziplin – Züchtigung und Rollenspiele

Dieser Oberbegriff umfasst die Züchtigung des Partners. Das kann mit der flachen Hand oder mit diversen Schlaginstrumenten vollzogen werden, aber auch andere Strafen kommen in Betracht. Der gegenseitige Lustgewinn steht dabei im Vordergrund. Üblicherweise findet die Bestrafung innerhalb von Rollenspielen statt. Etwa in Bezug auf Schulszenarien oder innerhalb von Daddy Dom und Babygirl Beziehungen. Möglich sind zudem Regeln und Aufgaben, deren Verfehlung bestraft wird. Die Übergänge zur Definition von D/s können fließend sein.

Dominanz und Submission – Unterwerfung, Machtgefälle und Hingabe

D/s ist mein persönlicher Lieblingsbereich im BDSM, obwohl ich auch erhebliche Maso-Anteile habe. Diese Spielart, oder oft auch Lebensweise, beruht auf einem Machtgefälle zwischen Dom und Sub, zwischen Herr und Sklavin. Der submissive Part übergibt seinem Partner mehr oder weniger Macht über sich selbst. Das kann klar abgegrenzt auf den erotischen Bereich stattfinden, etwa innerhalb von EPE (Erotic Power Exchange), oder sich auf alle Lebensbereiche ausdehnen. Dies wird dann TPE (Total Power Exchange) genannt und erstreckt sich bis zur Verwaltung des Geldes der Sklavin, zur Kontrolle der sozialen Bindungen, der Tagesabläufe und zu besonderen Regeln. Zeitlich kann es auf Sessions begrenzt sein, oder permanent, innerhalb von 24/7-Beziehungen, gelebt werden. Mehr dazu in einem kommenden Artikel. Einige Paare stehen auf Zwang und lieben das Spiel mit Widerständen, andere stehen auf Gehorsam und genießen das Vertrauen und die Hingabe des submissiven Parts. Die Definition kann auch hier nur grob vorgenommen werden und ist extrem vielfältig.

Sadomasochismus – Das Spiel mit Schmerz, Angst und Erniedrigung

Beim SM geht es um das Zufügen und Erleiden von Schmerz, um Angst und um Erniedrigung. Der Masochist hat einen Lustgewinn durch Schmerzen. Das hat etwas mit der Ausschüttung von Endorphinen als Reaktion des Körper auf die eintreffenden Reize zu tun. Es gibt Menschen, die allein durch Schmerz zum Orgasmus kommen können. Ich bin mit dieser Fähigkeit gesegnet, wobei ich besonders auf Peitschen und Rohrstöcke reagiere. Aber nicht nur Schläge werden bei sadomasochistischen Praktiken eingesetzt. Auch Nadeln, Klammern, Kneifen, Beißen, Kerzenwachs und Cutting gehören dazu. Sadisten können mitunter sehr kreativ sein. Sie ziehen ihren Lustgewinn aus der Reaktion ihres Partners, dessen Ziel es ist in den Zustand des Fliegens zu kommen. Das ist ein überwältigender Rausch und oft müssen Schmerzgrenzen überschritten werden, um dorthin zu gelangen. Hier geht es zu einem Bericht von meinem ersten Flug. Durch Angst werden ebenfalls Endorphine ausgeschüttet. Es funktioniert ähnlich wie beim Schmerz. Auf SMler.de gibt es einen guten Artikel zu dem Thema. Schließlich ist da noch das Spiel mit Erniedrigungen und Demütigungen. Der Passive wird entpersonalisiert, zum Objekt degradiert. Viele Spielarten drehen sich um diesen Aspekt und ich werde noch einiges dazu schreiben.

Die persönliche Definition kann sich entwickeln

Wie bereits angedeutet konnte ich früher nichts mit Füßen und Schuhen anfangen. Mein erster Herr hat es als Strafe eingesetzt. Das erste Mal war ein unschuldiger Kuss mit spitzen Lippen auf die Oberseite seines Fußes. Es hat mich sehr viel Überwindung gekostet. Nach und nach wurde es immer mehr und irgendwann habe ich ihn leidenschaftlich abgeleckt. Bestrafen konnte er mich nicht mehr damit. Im Gegenteil – es fühlte sich immer richtiger an. Als Ausdruck des Machtgefälles und meiner Erniedrigung genieße ich es heute. Es ist eines meiner Geschenke und erinnert mich an meine Entwicklung. BDSM heißt auch Grenzen und Tabus zu finden, sie zu überwinden und daran zu wachsen. Die Vorlieben können mit jedem Partner anders sein und entwickeln sich. Wichtig ist dabei nur, dass es sich für beide gut anfühlt. Für mich ist BDSM sehr flexibel und lebendig. Jeder hat seine eigene Definition, seine eigenen Vorlieben – und das ist gut so. Da gibt es kaum ein richtig oder falsch. Wir sollten immer offen bleiben und jeden so akzeptieren wie er ist. Dann können wir eine Menge lernen.