Entwürdigt

Ich krieche auf allen Vieren, wie ein Tier. Nackt. Mit verbundenen Augen. Angeleint. Irgendwo da oben stehst du, mein Herr. Ich spüre, ich ahne deine Anwesenheit. Du bist ganz still. Lässt dir Zeit. Genießt den demütig entwürdigten Anblick, den ich dir biete. Meine Muskeln sind angespannt. Ich habe Angst. Schutzlos ausgeliefert. Ich weiß, du trägst den Anzug, den ich so an dir mag. Eine blasse Erinnerung an ein vergangenes ich. Ich rieche meine Angst und dein After Shave. Ich höre es knacken. Meine Sinne sind geschärft. Adrenalin jagt durch meine Adern. Du bist ganz still. Es macht mich wahnsinnig, doch was spielt das noch für eine Rolle. Ich bin an einem Ort, an dem der Wahnsinn eine Alternative wird.

Du hast den Rohrstock in der Hand. Lässt ihn über meinen Rücken gleiten, meine Schenkel entlang zwischen die Beine. Du sagst nichts, aber das ist auch gar nicht nötig. Mit sanftem Druck führt der Stock in deiner Hand meinen Körper. Du hebst und senkst bis du zufrieden mit meiner Position bist. Ich folge. Der Stock dirigiert mich und ich tanze. Tanze wie eine Puppe an den Fäden, die du ziehst. Du bist ganz still. Warum sagst du nichts, mein Herr. Bitte lass mich deine feste Stimme hören, damit sie mich aus dem Dunkel holt. Es ist Nacht um mich herum geworden. Du bist der Stern, dem ich folge. Auf der Suche nach dem Licht. Ich weiß, es ist da. Ich kann mich daran erinnern. Zu lang her. Zu weit weg. Wer bin ich? Ein Mensch, ein Tier, dein Eigentum. Nichts. Ich löse mich auf und füge mich zusammen. Schön in meiner Demut. Anmutig in meiner Erniedrigung.
Plötzlich macht der Rohrstock eine schnelle Bewegung. Ich zucke. Nichts passiert. Du hast Zeit. Genießt meine Angst. Du streichelst mich mit dem Stock. Ich mag es, wenn du so liebevoll und zärtlich bist. Mit Liebendem Blick siehst du auf mich herab. Mit den gleichen Augen, die meinen Schmerz sehen wollen. Es beruhigt mich zu wissen, dass du da bist. Mir kann nichts passieren, wenn du bei mir bist. Außer der Schmerz. Der Stock schneidet die Luft. Ich höre es. Dann brennende Haut. Manchmal ist die Angst vor dem Schmerz schlimmer als der Schmerz selbst. Du bist ganz still. Der Stock korrigiert meine Position. Es ist demütigend, doch ich folge brav. So willst du mich haben und so bin ich.

Du schlägst mich wieder und wieder. Ich versuche meinen Körper zu halten, wie du es möchtest. Es gelingt nicht immer. Dann ist der Stock da. Ich zucke, krampfe und stöhne in wilden Orgasmen. Oh, süßer, böser Schmerz. Ich ergebe mich. Zwischendurch deutest du den Schlag nur an. Angst und dein Genuss daran. Unser Genuss daran. Es macht mich geil. Kalter Schweiß klebt auf meiner warmen Haut. Ich spüre kleine Tropfen an ihr herabrinnen. Unter mir ist der kühle Boden. Eine Insel der Sicherheit in meinem Flug. Die Welt ist noch da. Du bist ganz still. Ganz still. Mein Fels in der Brandung. Mein Hafen. Heil und Unheil zugleich. Ich mag dieses ruhige, langsame Spiel. Denn es ist mehr als ein Spiel. So viel mehr. Du erziehst mich und ich lasse mich von dir erziehen. Blicke, Gesten, leise Worte. Deine Stimme fehlt mir, mein Herr. Und je mehr ich da hineinwachse, desto leichter und selbstverständlicher wird es. Ich denke gar nicht mehr darüber nach. Folge einfach und ohne Zögern. Dein Wille ist Gebot. Das Spiel wird perfektioniert. Kann nur Ausdruck, nur Folge sein. Von dem was zwischen uns ist. Herr und sklavin. Innig verbunden durch viel mehr als die Leine um meinen Hals. Du behütest mich und ich diene dir. Liebe und leide für dich. Koste diese bitter-süßen Freuden ekstatisch aus.

Der Schmerz trägt mich auf ruhigen Wogen mit sich davon. Ich stöhne und wimmere. Es beruhigt mich, dass du dich davon nicht beirren lässt. Ich drifte immer tiefer, immer weiter in mein lustvolles Leid. Bis ich aufhöre zu denken. Ich existiere nur noch in einem Augenblick. Alles andere um mich herum hört auf zu sein. Du bist ganz still. Schlägst mich nicht mehr. Bitte hör nicht auf. Noch nicht. Der Stock streift sanft meine geschundene Haut. Ich liege erschöpft auf dem Boden vor dir. Keine Kraft für Haltung. Du bist zufrieden. Ich spüre deinen Blick auf mir. Ruhe.