Bemerkenswert

Foliert.

Ich bin ganz allein und vom Außen abgeschirmt. Der Welt, an der ich vor wenigen Momenten noch teilnehmen konnte. Nun bin ich von dir gefangen und festgehalten in mir selbst. Ich wollte mich wehren, als du angefangen hast. Dich anbetteln, es nicht zu tun. Dir sagen, dass ich Angst habe. Dass ich Panik bekommen könnte. Doch die Tücher haben meinen Mund ausgefüllt, ihn richtig gestopft. So dass ich fast vollkommen verstummt bin. Als würden sie jeden Laut in sich aufsaugen, lange bevor sich auch nur ein einzelner Ton gebildet hat.

Ich bin mir nichtmal mehr sicher, ob du überhaupt etwas von mir hörst. Vielleicht nehme nur ich selbst wahr, dass ich versuche mich dir mitzuteilen. Vielleicht erstickt meine Stimme einfach an den Tüchern und bleibt in meinem Inneren. So wie auch ich jetzt in meinem Inneren bleiben muss. Es ging alles so schnell. Plötzlich war die Folie da. Immer mehr davon und immer enger hat sie mich in sich eingeschlossen. Nicht meinen Körper. Das wäre nicht so schlimm gewesen. Du hast mir viel mehr genommen.

Verzweifelt versuche ich, mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Ruhig zu bleiben. Das ist der letzte Rest Kontrolle, den ich nun noch habe. Ich nutze ihn. Spüre die Luft in mich strömen. Langsam, so wie ich es will. Erstaunt stelle ich fest, dass es gar nicht so schwer ist. Ich bekomme gar keine Panik, sondern nur fast. Ich kann atmen und beruhige mich etwas.

Die Folie ist eng. Sie drückt den Stoff noch tiefer in mich hinein. Er schmeckt irgendwie chemisch. Und obwohl er ganz weich ist, lässt er meiner Zunge überhaupt keinen Spielraum. Denn du hast mir die Folie nicht nur in und um den Mund gewickelt, sondern auch fest um den Kopf. So, dass er von oben und unten zusammengedrückt wird. Um die Ohren und um die Augen. Wie eine Maske umgibt sie mein Gesicht und lässt nur noch die Nase frei. Könnte ich die Augen öffnen, könnte ich hindurchsehen. Es ist so verlockend und scheint fast möglich zu sein. Doch egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich kann meine Lider nicht bewegen. Es ist ein seltsamer Gedanke, dass du in mich hineinsehen kannst, ich aber nicht aus mir heraus.

Dann spüre ich deine Hand, die mich durch den Raum zieht. Ich folge ihr und der Wärme deines Körpers. Deiner Stimme. Deinen Bewegungen. Der Härte deiner Berührungen. Ich weiß, du willst mir wehtun. Es fällt mir schwer, mich darauf vorzubereiten. Dabei kann ich das sonst so gut. Doch jetzt ist alles anders. Ich habe Angst. Angst, es nicht auszuhalten. Panik zu bekommen. Am Schmerz zu ersticken. Keine Luft zu bekommen und es dir nicht sagen zu können.

Ich will dich anschreien. Dir irgendwie vermitteln, dass ich es mir nicht zutraue, so abgeschirmt von allem, den Schmerz zu ertragen. Aber kein Wort dringt über meine Lippen. Nur ein gedämpftes Wimmern, das fast vollständig von den Tüchern in mir festgehalten wird. Mir wird klar, dass ich versuchen muss, mich damit abzufinden. Ich muss aufpassen. Auf meine Atmung und meine Bewegungen. Du hast mir die Freiheit gelassen, mich selbst festzuhalten, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mich darüber freuen soll. Denn es ist eine Sache mehr, auf die ich in meiner Hilflosigkeit acht geben muss.

Irgendwo um mich herum bist du. Ich weiß nicht wo. Verzweifelt versuche ich Geräusche zuzuordnen. Einzuschätzen, von wo der Schmerz kommen wird. Doch ich spüre ihn erst, wenn du zupackst, um mich mit dem Strom zu quälen. Du hast ihn gar nicht so stark eingestellt wie sonst. Aber das ist jetzt nicht wichtig. Meiner Stimme und meiner Augen beraubt und von meiner Angst beherrscht, droht jede Berührung mich zu zerreißen. Immer wieder lasse ich den Ring los, winde mich in dem verzweifelten Wunsch fortzukommen. Immer wieder befiehlst du mir, mich festzuhalten. Ich gehorche. Möchte durchhalten. Nehme mir fest vor, mich nicht zu bewegen. Bis ich den Schmerz fühle und die Unfähigkeit, es aus mir herauszulassen. Warum ist es bloß so schlimm, nicht schreien zu können?

Und doch genieße ich jeden Moment. Die Angst und die Hilflosigkeit. Aber auch mein Vertrauen in dich. Die Sicherheit, die du mir gibst. Den Schmerz, das Adrenalin, meine Geilheit. Ich wünschte, du würdest aufhören und endlich in mich eindringen. Jetzt und hier. Mit meiner Maske aus Folie möchte ich mich dir ganz hingeben. Deinen Schwanz tief in mir spüren. Immer tiefer und immer härter. Bis es wehtut, wenn du ihn in mich stößt. Deine Hand an meinem Hals. Die Macht spürend, die du über mich hast. Doch das erlaubst du heute nicht.

Irgendwann hörst du einfach auf. Mit einer Bewegung ist mein Mund wieder frei. So schnell und so leicht, als wäre der böse Knebel nie dagewesen.

Stolze Demut

Was ist das nur für ein seltsamer Ort? Es ist so still und friedlich hier. Du hast mich hergeführt. Mit deinen Ohrfeigen und mit deiner Stimme. Jetzt klingt sie sanft und beinahe liebevoll, während du mir befiehlst, mich vor dir kleinzumachen. Ich gehorche. Mache mich immer kleiner. Kauere mich auf meinen Knien vor dir zusammen. Bis nur noch ein kleines Päckchen Demut zu deinen Füßen liegt.

Und hier bin ich nun. Ganz entschlossen alles zu tun, was du von mir verlangst. Nicht aus Angst vor dem Schmerz. Nicht aus Respekt vor der Strafe. Sondern aus dem Gefühl der Hingabe heraus, das beides in mir auslöst. Dabei bin ich doch schon so klein vor dir. Innerlich. Fest verschnürt in diesem unsichtbaren Netz, das du um mich gesponnen, in dem du mich gefangen genommen hast. Meine Wangen brennen und sind noch feucht von meinen Tränen. Kurz hast du mich gehalten, nachdem sie geflossen sind. Aber nicht lang genug, um mich von dem Gefühl der Schutzlosigkeit zu befreien. Du wolltest es nicht. Wolltest es mich spüren lassen. Wer ich bin und wo ich hingehöre, wenn ich bei dir bin. Dann fühle ich deinen Fuß auf mir. Er drückt mich noch tiefer in den Boden hinein. Fast versinke ich. Würde ich noch kleiner werden, verschwände ich vielleicht ganz in ihm.

Doch selbst jetzt, in meiner völligen Erniedrigung, spüre ich brennenden Stolz. Erdulde nicht bloß, was gerade mit mir geschieht. Ich will es sogar, empfinde es als richtig. Weil du es bist, vor dem ich niedrig sein darf. Denn du bist der, der mich wirklich bezwungen hat. Der den Wunsch in mir weckt, gehorsam zu sein. Nicht weil du mich leiden lässt, sondern weil ich für dich leiden möchte. Ich bin gerne an diesem Ort. Hier bin ich glücklich und frei. Fühle deine Macht über mich so wunderbar absolut. So wunderbar endgültig.
Und diese Macht ist es, die mich geil werden lässt. Die Nässe tropft schon an meinen Schenkeln hinab. Ich sehne mich nach deinem Schwanz. Hart und groß möchte ich ihn mir spüren. Seine pulsierende Männlichkeit und deine gierige Lust an mir. An meiner Demut, an meiner starken Zerbrechlichkeit, die ich dir so bereitwillig zum Geschenk gemacht habe. Mit jedem Stoß dringst du tiefer in mich ein. Mit jedem Stoß werde ich geiler und nasser. Mit jedem Stoß öffne ich mich dir mehr und gebe mich dir ganz hin. Will schreien im Takt deiner Stöße. Mich winden und mich dir entgegen strecken, um dich noch tiefer in mir aufzunehmen. Und während du mich fickst, schlägst du mich. Doch ich bin schon so besinnungslos geil, dass der Schmerz mit meiner Lust zu verschmelzen scheint und ich beides gar nicht mehr auseinanderhalten kann. So, dass es eins wird in mir und mich nur noch von einem Höhepunkt zum nächsten treibt.

Ja, ich bin wirklich gerne an diesem Ort. Du hast mich hergeführt und hier gehöre ich hin. Will alles tun, was du von mir verlangst. Alles ertragen, was du von mir forderst. Selbst deine Ohrfeigen, die mich so verzweifelt zurücklassen. Weil ein Teil von mir sich schützen und der andere dir gehorsam sein will. Mit jedem Schlag wird dieser Widerspruch größer. Mit jedem Schlag ist mehr Willenskraft erforderlich, um es aushalten zu können. Ich muss kämpfen. Mit mir und meiner Furcht. Mit meinem Körper, der seinen eigenen Willen hat. Der dir entkommen will, wenn du ihn quälst. Dann kommen die Tränen. Nicht, weil ich den Schmerz nicht aushalte. Sondern weil beide Impulse, Selbstschutz und Hingabe, sich abwechselnd an Intensität übertreffen und ich dazwischen mich selbst verliere. Die Mauern, die ich um mich errichtet habe, stürzen ein. Darunter liegt mein wahres Selbst. Schutzlos schön lege ich es in deine Hände und weiß, dort ist es gut aufgehoben.

Moment der Stille

Und dann sind da diese Momente, in denen ich ganz in meiner Erinnerung versinke. Ich spüre ihn wieder hinter mir, fühle seine Seile auf meiner Haut. Seine Kraft, wenn er sie so fest zuzieht. Ich bin irgendwo. Vielleicht in der Bahn. Doch die Welt verschwimmt und der Augenblick meiner Erinnerung wird viel realer als dieses banale Schauspiel um mich herum. Dann fällt meine Maske und ganz kurz erlaube ich den Menschen, mich so zu sehen wie ich wirklich bin. Irgendwann erwache ich wieder aus meinem Traum und spüre die Blicke der Männer auf mir. Manche fühlen sich ertappt und schauen schnell weg. Manche, die Mutigen, werfen mir ein Lächeln zu. Ich frage mich, ob sie mir meine Hingabe ansehen. Meine unanständigen Gedanken und verdorbenen Fantasien, wenn ich an ihn denke. Die Lust und die Bereitschaft. Den Wunsch zu dienen und gehorsam zu sein. Ob sie nur ein einziges Mal besitzen wollen, was ihm so bedingungslos gehört. Und ob sie wissen, dass es ihnen vielleicht niemals eine Frau schenken wird.

Ich schäme mich ein bisschen, will mein Innerstes überhaupt nicht zeigen. Doch ich kann mich auch nicht dagegen wehren, dass er in diesen Momenten Besitz von mir ergreift. Dass er plötzlich bei mir ist und mich leise daran erinnert, wo mein Platz bei ihm ist. Genieße meine Demut und die lüsterne Geilheit, die sie in mir hervorruft. Manchmal lächelt mir dann mein Spiegelbild aus irgendeiner Scheibe zu. Wenn ich an einem Schaufenster vorbeilaufe, mich kurz ansehen möchte und verwundert feststelle, wie sehr ich mich verändert habe. Meine Körperhaltung ist viel gerader geworden. Meine Bewegungen langsamer. Mein Gang weiblicher und meine Schritte sicherer. Mein Blick sanfter und meine Ausstrahlung ruhiger. Das Lächeln dieser Frau ist mir vertraut. Sie ist dieselbe geblieben und auch wieder nicht. Vielleicht ist sie viel mehr das geworden, was sie eigentlich schon immer gewesen ist und nie wirklich hat sein dürfen. Vielleicht hat sie nun einen Ort dafür gefunden und mit jedem Augenblick, den sie dort verbringen darf, kann sie mehr davon mit in den Alltag nehmen. Die fehlenden Teile ergänzen.

Kann ein Mensch Erfüllung darin finden zu dienen? Meine Familie und die Gesellschaft haben immer anderes von mir erwartet. Als wäre es etwas Schlechtes, sich unterzuordnen. Doch das ist es nicht, wenn man sich in gute Hände begibt. Die Kunst dabei ist nur, sich selbst nicht zu verraten. Seinem Willen zu entsprechen und sein Wohl im Fokus zu behalten ohne vom eigenen Weg abzukommen. Ich glaube, dass ich das kann. Weil ich sehr genau weiß, was gut für mich ist. Ich bin eine gefestigte Persönlichkeit und eine kluge Frau. Habe eine Meinung und kenne meine Bedürfnisse. Kann mir selbst genügen, mache mich von niemandem abhängig. Und doch will ich mich in all dem ihm unterwerfen. Ja, ich kann Erfüllung darin finden zu dienen. Es bereitet mir so viel Lust. Ich liebe es, meinen Körper vor Geilheit zittern zu lassen. Den bittersüßen Rausch, den Schmerz und Angst in mir auslösen. Die Gier und die Nässe. Das Adrenalin. Aber auch das Vertrauen, das manchmal nötig ist und die Echtheit dieser Begegnungen, wenn sich zwei Menschen gemeinsam durch ihre Abgründe treiben lassen. Wenn sie miteinander teilen können, was tief in ihnen verborgen ist. Für einen Moment, der Isolation des eigenen Selbst entfliehen, seine Grenzen überwinden und neue Welten entdecken können.

Ich mag es gehorsam zu sein. Das Gefühl der Enttäuschung, wenn mir etwas verboten ist. Die Freude, wenn ich etwas richtig mache. Das Glück, wenn er sagt, dass er stolz ist. Die Angst nicht gut genug zu sein. Den Genuss daran, ihn genießen zu sehen. Die Verzweiflung, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Den Wunsch zu lernen und ihm eine Freude zu sein. Die Akzeptanz, dass sein Wille meinem übergeordnet ist. Die Selbstverständlichkeit mit der ich und mein Körper auf seine Befehle reagieren. Ich liege in meinem Bett. Tippe diese Zeilen, während der Regen sanft und leise gegen das Fenster prasselt. Ich lausche ihm und folge den Tropfen auf ihrem Weg. Fort von hier, hinein in meine Erinnerung. Draußen ist es schon lange dunkel und die Welt schläft tief. Nur ich bin wach. Ein gedämpftes Licht, das warm ins Außen dringt. Ein Moment der Stille, der ihm allein gehört.

Wolfsstunde

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Er ist ganz nah. Ich kann ihn spüren. Vielleicht wartet er schon auf mich. Hinter einem der vielen Bäume, die mir trügerischen Schutz versprochen haben, bevor ich durch den Schlamm in ihren Schatten gekrochen bin.

Jetzt wirken sie bedrohlich. Jeder von ihnen könnte das Versteck sein, hinter dem er auf mich lauert. Den Moment meiner Ahnungslosigkeit genießend. Den Geruch meiner Angst atmend. Bereit, sich aus dem Dunkel zu lösen und mich zu packen. Elegant und mühelos in seinen Bewegungen. Wenn er nah genug ist, habe ich keine Chance. Deswegen habe ich es mir die ganze Zeit nicht erlaubt zu ruhen. Immer tiefer habe ich mich von ihm in den Wald treiben lassen. Keinen Moment gezögert, eine neue Richtung einzuschlagen. Fort von ihm. Ich bin so erschöpft. Fast schon sehne ich ihn herbei. Aber noch habe ich Kraft. Ein bisschen halte ich noch durch. So leicht werde ich es ihm nicht machen.

Mein Fehler ärgert mich. Ich hätte nicht in den Wald laufen dürfen. Das hatte er gewollt. Deswegen hat er mich hergebracht. Und vielleicht bin ich auch jetzt genau an dem Ort, an den er mich ganz bewusst getrieben hat. Die Vorstellung beunruhigt mich. Ich bin müde vom vielen Laufen, kann nicht mehr klar denken. Und es ist kalt. Nur kurz ausruhen. Nur kurz Schutz suchen vor dieser kriechenden Kälte, die sich allmählich in mir ausbreitet. Der Schlamm an meinem Körper ist getrocknet. Die Haut darunter spannt. Doch die langen Stiefel haben sich mit der Feuchtigkeit des Waldbodens vollgesogen und halten sie erbarmungslos an meinen klammen Füßen. Bis auf den Schmerz ist kaum noch Gefühl in ihnen. Trotzdem tragen sie mich weiter durch das Laub, zwischen den Bäumen hindurch, der zwielichtigen Dämmerung eines sterbenden Tages entgegen.

Bald wird es noch kälter sein. Ich muss mich etwas ausruhen und auf die Nacht vorbereiten. Jetzt. Hier zwischen den Zweigen des gefallenen Baumes sieht er mich bestimmt nicht sofort. Ich kann mich anlehnen, den Beinen Erleichterung verschaffen. Wenn ich nur nicht so müde wäre. Mir ist klar, dass ich nicht einschlafen darf. Ich muss die Augen offen halten, bereit zur Flucht bleiben. Einen Ausweg suchen. Doch in der sich ausbreitenden Dunkelheit verschwimmt die Welt hinter den Bäumen. Schatten gehen in Schatten über. Selbst wenn es ein Ende dieses Waldes gäbe – ich würde es nicht sehen können. Deswegen ist es umso wichtiger, dass meine Schritte nicht berechenbar sind. Ich muss weiterlaufen. Immer weiter. Sonst bin ich verloren.

Aber erst muss ich wieder zu Kräften kommen. Das Adrenalin hat mich schon viel zu lang in Bewegung gehalten. Der Rausch lässt nach. Mein Körper ist zu erschöpft. Die Anstrengung fordert ihren Preis. Ich kämpfe gegen die Müdigkeit an, die mich von der Welt entrückt. Wie in einem Sumpf versinke ich in ihr. Immer weiter gleite ich fort. Immer zäher werden meine Gedanken. Immer träger wird mein Geist. Der Schlaf lockt mit dem Versprechen süßen Vergessens. Bestimmt stehe ich gleich auf. Nur einen Moment noch…

Dunkelheit.

Dann höre ich es. Ein Klacken. Irgendwie gedämpft. Ich verstehe nicht sofort, was es bedeutet. Kann mich nicht richtig bewegen. Etwas ist an meinen Handgelenken, hält sie zusammen. Es ist dunkel. So dunkel. Schemenhaft erkenne ich Wände, die den engen Raum um mich herum begrenzen. Sie sind seltsam nah. Mein Mund ist trocken und ein chemischer Geruch klebt in meiner Nase. Er haftet an mir und zieht mich zurück in die Gedankenlosigkeit. Ich möchte ihm nachgeben. Seiner Schwere folgend weiter sinken. Stattdessen stemme ich mich mit aller Kraft dagegen an. Ich erinnere mich nicht. Nicht, wie ich an diesen Ort kam. Nicht, wer ich bis zu diesem Augenblick gewesen bin. Es fühlt sich ein bisschen so an, als sei mein Bewusstsein gerade eben erst erwacht. Als hätte es gar kein Davor gegeben. Als wäre ich so, wie ich jetzt bin, in die Welt geworfen worden. Die Ahnung eines Traumes klingt in mir nach, doch ich kann keine Bilder daraus greifen. Sie verschwimmen im Nebel meiner getrübten Wahrnehmung. Von Außen, der Welt hinter der Dunkelheit, hinter diesen seltsam nahen Wänden, dringen Geräusche zu mir herüber. Ich kann sie nicht zuordnen. Lausche ihnen nur. Halte mich an ihnen fest, um meiner Isolation zu entfliehen. Sie sind mein Anker, der mir zeigt, dass ich nicht ganz allein bin und eingeschlossen in mich selbst. Der Schleier, der mich in diesem Augenblick gefangen hält, beginnt sich zu lichten. Erinnerungen mischen sich mit den Bildern meines Traumes. Noch kann ich nicht unterscheiden, was davon real ist. Doch wie in einem Puzzle, das sich selbst vollendet, fügt sich nach und nach alles zusammen. Ergibt ein stimmiges Ganzes. Ein fremder Mann, der mich gepackt hat. Gegen den ich mich nicht wehren konnte. Egal, wie ich mich gewunden habe. Sein Flüstern. Die Worte habe ich nicht verstanden. Nur die Drohung in seiner Stimme. Das Tuch in meinem Gesicht. Der chemische Geruch. Dunkelheit. Die Geräusche von Draußen werden lauter. Dann öffnet sich ein Spalt vor mir. Das Licht, das durch ihn dringt, blendet mich, brennt in meinen Augen. Ich liege in einem Kofferraum. Gefesselt. Die Sonne steht hoch am Himmel. Hinter den Wolken kann man sie erahnen. Die Luft ist feucht und schwer. Es muss geregnet haben. Die Gestalt des Mannes ist nur ein dunkler, bedrohlicher Schatten, der sich zu mir beugt. Ich sehe ihm dabei zu, wie er meine Fesseln löst. Knoten für Knoten. Spüre die Wärme zurückkehren in meine halbbetäubten, steifen Glieder. Er sagt etwas von einer Chance, die er mir lässt. Dass ich sie nutzen soll. Er lässt mich frei, wenn ich ihm entkommen kann. Plötzlich stehe ich. Wir sind auf einem Parkplatz. Rechts ist eine lange Straße, die sich durch eine menschenleere Gegend windet. Links von uns ein Wald. Er gibt mir zehn Minuten Vorsprung. Ohne nachzudenken renne ich auf den Waldrand zu. Werfe mich zwischen die Bäume auf den Boden und krieche durch den Schlamm hinein in mein Versteck, richte mich wieder auf und renne. Renne als gäbe es kein Morgen. Und vielleicht gibt es das auch nicht. Folgt er mir schon? Sind die zehn Minuten schon um? Ich höre ein Rascheln hinter mir und Stürze in eine neue Dunkelheit. Der Boden ist durchweicht. Er klebt an mir. Wie Treibsand. Ich kann mich nicht von ihm lösen. Bald schon schließt er mich ganz in sich ein. Trennt mich von dem Licht und von der Luft. Das Geräusch, das mich so erschrocken hat, wird lauter.

Es dauert etwas, bis es in mein Bewusstsein vordringt. War alles nur ein Traum? Ich muss geschlafen haben. Ja, das habe ich wirklich. Verflucht. Wie lange war ich weg? Und der Schlaf hat mir auch kein Vergessen gebracht. Selbst darin verfolgt er mich noch. Mein Körper fühlt sich schwer an. Mein Geist benommen. Doch etwas weiß ich mit erschreckender Klarheit: Er ist da. Endlich. Plötzlich bin ich wieder hellwach. Reiße meine Augen auf und sehe ihn. Er steht einfach da und betrachtet mich. Lächelnd. Sein Blick ist hungrig und wild. Gierig auf mein Fleisch und meinen Schmerz. Auf meine Schreie und meine Tränen.

Gebannt von der Anmut seiner Stärke verharre ich regungslos vor ihm. Ein paar Meter trennen uns noch. Genug, um fortzukommen. Ich weiß, ich sollte kämpfen und fliehen. Doch ich kann nicht. Ich kann nur zusehen. Zusehen, wie er immer näher kommt. Ganz langsam. Seinen Sieg über mich mit jedem Schritt auskostend. Wie gelähmt warte ich, um ihn zu empfangen.

Fast ist er bei mir. Ich halte den Atem an. Konzentriere mich auf seine Bewegungen. Dann löst sich meine Anspannung und vertreibt die Lähmung. Ein letzter Akt. Der verzweifelte Sprung. Nicht fort von ihm, sondern auf ihn zu. Meine Nägel durchbohren seine Haut. Meine Zähne dringen in sein Fleisch. Sein Blut ist warm. Es klebt an meinen Lippen. Doch ihn scheint es nicht zu stören. Er hält mich nur mit einem Arm. Mehr braucht er nicht für mich. Meine eigene Schwäche erkennend kapituliere ich. Gestehe mir ein, dass er überlegen ist. Winde mich weiter. Mehr willkürliche Reaktionen meines Körpers, der das Unvermeidliche nicht einsehen will. In seinem Griff drückt er ganz fest zu. Der Schmerz ist so heftig, dass ich mich nicht dagegen wehren kann. Folge ihm hinunter auf den Boden. Ich würde alles tun, nur damit dieser Schmerz nachlässt. Alles. Seine Berührung lockert sich. Ich knie vor ihm und blicke zu ihm auf. Er hat mich.

Januar 2018

Foto: Msunderstood

Eine tolle Künstlerin, die es immer schafft, mit ihren Bildern eine Geschichte zu erzählen.

Gefesselt.

Er ist hinter mir. Ich spüre seine Nähe. Und obwohl wir uns nicht berühren, ist kein Platz mehr zwischen uns. Denn auch der Raum, der uns voneinander trennen sollte, wird von ihm ausgefüllt. Seine Hände gleiten über meine Haut. Mein Geist folgt ihnen auf ihrem Weg, verliert sich in ihrem kunstvollen Tanz. Dann lösen sie sich von mir und plötzlich ist dort das Seil. Als wäre es aus ihm herausgewachsen. Eine Verlängerung seines Körpers, die mich an ihn bindet. Er ist das Seil, das mich in sich einschließt. Durch meine Haut und mein Fleisch in mich eindringt. Mich gleichzeitig umgibt und ausfüllt.

Er packt zu. Ein Ruck erschüttert mich. Bringt mich in Position, bevor sich ein weiterer Knoten schließt. So fest. Doch da ist auch eine seltsame Sanftheit in der Härte seiner Fesseln. Mein Körper fügt sich in die ihm bestimmte Haltung. Folgt der Richtung, die die Seile ihm vorgeben. Immer enger winden sie sich um mich. Manchmal erlaube ich mir kurz, meine Augen zu öffnen. Ich mag es, ihm zuzusehen. Die Ruhe und Konzentration wahrzunehmen, die er ausstrahlt. Seinen raubtierhaften Blick auf mir einzufangen. Seine Muskeln sind angespannt. Als würden sie auf etwas warten. Einen Impuls, in dem sich seine Energie entladen kann.
Manchmal erschrickt mich die Gewalt, mit der er mich anfasst. Die mich seine Stärke spüren lässt. Ich muss lernen, im Gleichgewicht zu bleiben. Besonders mit den Absätzen. Seine Berührungen in mir aufzunehmen, ohne ihnen zu sehr nachzugeben. Ich höre mich leise stöhnen. Fast nur ein Seufzen. Halberstickte Lust, die sich selbst genießend einen Weg ins Außen bahnen muss. Es wird ganz still in mir. Gedanken treiben von mir fort. Und mit ihnen treibe ich mit. Konzentriere mich auf seine Hände, die die Seile an meinem Körper zurücklassen. Auf die Knoten, die mich gefangen halten. Auf den Genuss, den ich dabei empfinde.

Je fester mich die Seile umfangen, je enger es um mich herum wird, desto mehr begreife ich, dass er mit dem Körper auch meinen Geist fesselt. Ihn damit in eine Position bringt, in der er für ihn berührbar wird. Ich spiele mit dem wenigen Raum, der mir nun noch bleibt. Die Gefühle, in denen ich mich entfalten kann. Doch auch dort wird es enger, wenn er es will. Er beobachtet mich, sieht in mich hinein. Ich kann mich nicht vor ihm verbergen. Das möchte ich aber auch gar nicht. Zumindest meistens. Ich möchte ihn in meiner Wehrlosigkeit mit mir spielen lassen. Ihm zeigen, was in mir geschieht. Die Lust, das Leid und diesen einen Moment, in dem ich meine Ohnmacht realisiere. Die Verzweiflung, die sie in mir auslöst. Die Überwältigung in Körper und Geist.

Seile können so viel mehr, als ich mir bisher vorstellen konnte. Und auch jetzt ist es vermutlich nur eine schwache Ahnung dessen, was wirklich möglich ist. Ein wunderbares Zauberland voller Sinnlichkeit und Möglichkeiten, das mich mit seinem bedrohlichen Flüstern ruft und lockt. Ich folge ihm hinein in eine fremde und dennoch merkwürdig vertraute Welt.

Stilles Leid.

Der Knebel ist so groß. Viel zu groß für meinen kleinen Mund. Unerbittlich reißt er ihn auf, doch Sprechen kann ich nicht. Da ist kaum Platz für meine Zunge und die braucht man ja schließlich, um sich deutlich zu artikulieren. Ich bringe jetzt nichtmal mehr undeutliche Worte hervor. Es ist anstrengend, den Knebel zu tragen. Der Schmerz hat zwar mittlerweile etwas nachgelassen, aber dieses Gefühl ist trügerisch. Ich weiß, dass er umso heftiger wird, wenn du ihn mir abnimmst. Wenn die Gelenke und Muskeln wieder in ihre natürliche Position finden müssen. Das ist aber gar nicht das Schlimme. Das Schlimme ist die Anstrengung der ungewohnten Haltung meines Gesichtes. Nur ein leichtes Ziehen. Nicht wirklich schmerzhaft, aber allgegenwärtig. Es zehrt an meiner Widerstandskraft.
Ich versuche mich daran zu gewöhnen, denn es bleibt mir nichts anderes übrig. Ich weiß nicht, wann du mir dieses böse Ding wieder abnehmen wirst. Verkrampfen, sich dagegen wehren, macht es nur schlimmer. Ich muss mich damit abfinden. Also spiele ich mit den Muskeln, die ich noch kontrollieren kann. Entspanne sie, lasse locker. Der Ball in meinem Mund gibt etwas nach, aber wenn ich reinbeiße, um den Kiefer zu entlasten, muss ich wertvolle Kraft aufwenden. Kraft, die ich für das brauche, was du mit mir vorhast. Ein bisschen hilft es trotzdem. Nur kurz. Etwas Erleichterung für den Moment, bevor ich den Knebel wieder an mir reißen lasse. Die perfekte Haltung habe ich wohl noch nicht gefunden und egal, was ich mache, der große Ball bleibt da. Drängt sich in mein Bewusstsein und lässt mich meine Unterlegenheit spüren.
Mein Schwert, das Wort, ist stumpf, wenn ich es nicht nutzen kann. Es macht mich ein wenig wütend, dass du es mir genommen hast. Ich möchte nicht, dass du das in meinen Augen siehst. Es würde dir zu viel Spaß machen, damit zu spielen. So gut meine ich, dich schon zu kennen. Und ich bin gerade nicht in der richtigen Position, um dich zu provozieren. Ich habe nicht oft Respekt davor, was jemand mit mir tun könnte, wenn ich mich falsch verhalte. Bei dir schon. Das muss an dem Knebel liegen, der meine Kräfte fordert. Wenn er doch nur nicht so groß wäre. Wenn ich doch nur eine Position finden könnte, die etwas Entspannung erlaubt.
Fast unerträglicher als das Ding in meinem Mund, ist meine Geilheit. Ich spüre die Nässe zwischen meinen Schenkeln. Wie sie an mir hinabläuft. So wie die Spucke, die sich in meinem Mund gesammelt hat. Überall tropfe ich. Säfte laufen ungehemmt und unkontrolliert aus mir heraus. Vage erinnere ich mich daran, dass sich das nicht gehört. Doch diese Regeln gelten jetzt nicht mehr für mich. Hier gelten deine Regeln und du magst es, mich so zu sehen. Ich vergesse meine Scham. Verliere mich in dem Leuchten deiner Augen, die meinen entmenschlichten Anblick in sich aufzusaugen scheinen.
Ich habe keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Du hast sie mir genommen. Der Knebel spreizt meinen Mund. Spucke läuft an meinem Kinn hinab. Lust kontrolliert meinen Verstand. Die Fesseln schneiden mir ins Fleisch. Sie geben mir Halt und halten mich in der Position, in der du mich haben willst. Die Hände auf dem Rücken, präsentiere ich mich dir. Unfähig mich vor dem Schmerz zu schützen, der mich erwartet. Meine Beine sind frei, aber weg komme ich nicht. Das würdest du nicht zulassen. Du würdest mich packen und mir wehtun, würde ich es versuchen. Und du kannst mir Schmerzen zufügen, die auch meinen Geist treffen. Schmerzen, die mich wünschen lassen, dich niemals zu verärgern. Gar nicht, weil sie stärker sind als andere. Sondern, weil sie meine Kräfte verbrauchen. Weil sie Willenskraft und Anstrengung erfordern.
Irgendwann lässt du meine Arme frei. Der Knebel aber bleibt. Der große Ball in meinem Mund, der dort nicht hingehört. Der mir wehtut, der mich fordert. Heute Abend war ich öfter geknebelt. Zwischendurch hast du mir etwas Ruhe erlaubt. Trotzdem ist es mit jedem Mal anstrengender geworden. Jetzt stehe ich vor dir und bin dankbar, dass du ihn nicht wieder so stramm gemacht hast. Eingeschüchtert aber nicht ängstlich, denn ich vertraue dir auf eine seltsame Art. Obwohl ich weiß, dass du mich quälen willst. Oder vielleicht genau deswegen.
Du lächelst, bevor du zuschlägst. Die erste Ohrfeige brennt auf meiner Wange. Dann noch eine und noch eine. Immer schneller auf die gleiche Stelle. Das an sich ist ja schon fies. Aber der Knebel ist noch immer da. Die Kiefermuskulatur völlig überspannt. Ich habe keine Kontrolle über meine Hände. Sie versuchen mein Gesicht vor dir schützen, die Überreizung zu stoppen. Das willst du nicht. Du willst, dass ich stillhalte. Ich strenge mich an, möchte gehorchen, deinem Willen entsprechen. Doch mein Körper versucht zu entkommen. Den Schlägen zu entgehen. Immer wieder entzieht er sich dir und immer wieder fängst du von vorne an. Langsam beginne ich, mich nach den Fesseln zu sehnen. Sie würden mir helfen stillzuhalten. So wie der Knebel mir hilft, still zu leiden. Mit jedem Schlag schwindet meine Willenskraft etwas mehr und die brauche ich doch jetzt so dringend.

Ich flehe dich mit den Augen an aufzuhören, versuche dir mitzuteilen, dass ich den Knebel nicht mehr aushalte. Ich spüre die Verzweiflung, die aus ihnen zu dir spricht. Du verstehst, was ich dir sagen möchte. Leise antwortest du, dass es mir nicht helfen wird. Dass du weitermachen wirst. Dass du mich den Knebel noch länger tragen lassen wirst. So lang, wie du es willst. Die Erkenntnis kommt überhaupt nicht überraschend. Dennoch trifft sie mich. Etwas in mir bricht zusammen, ergibt sich dir. Es ist genau dieses Gefühl, das ich spüren möchte. Der Wunsch, dass es aufhört, der Versuch zu entkommen und schließlich die Aufgabe. Diese Aufgabe, das innere Sichergeben, übt einen ganz besonderen Zauber auf mich aus.

Sie ist schrecklich und schön zugleich. Die Pforte in mein Wunderland. Der Ort, an dem ich wirklich frei sein kann. Der Weg dorthin ist nicht leicht, das beginne ich zu begreifen. Ich kann auch nicht Vielen soweit folgen, denn kaum jemand ist stark genug, mich so weit zu bringen. Kaum jemandem schenke ich die Bereitschaft, die dafür notwendig ist. Kaum jemandem kann ich so sehr vertrauen. Und kaum jemand ist in der Lage, so wenig auf mich zu reagieren.

Ich ahne aber auch, dass dieses Wunderland viel größer ist, als ich es mir jetzt vorstellen kann. Dass es noch viel mehr zu entdecken gibt. Dass meine Schritte sicherer werden und damit auch der Weg breiter. Ich bin gespannt, wohin er mich noch führen wird.

Das Objekt

„Es ist essentiell für den Erfolg der Befragung, dass das Objekt jederzeit eine reelle Chance hat aus der Situation heraus zu kommen. Indem es die richtige Antwort gibt.“
Seine Stimme dringt wie durch dichten Äther in mein Bewusstsein. Irgendwie zäh und gedämpft. Es ist seine böse Stimme. Sie klingt noch sehr viel böser als sonst, weil ich nichts sehen kann. Die Augenbinde passt perfekt. Kein kleiner Spalt, kein Lichtschimmer. Nur Dunkelheit. Die Geräusche und seine Stimme sind die einzige Verbindung, die ich mit dem Außen habe. Ich kenne ihn mittlerweile. Nur für gewöhnlich sind wir allein, wenn er kommt, um mich zu quälen. Heute ist das anders. Auch die Bühne, auf der wir stehen, ist neu. Zumindest ist es in meiner Vorstellung eine Bühne. So, wie in einem kleinen Theater, in dem Schauspiel und Publikum nicht wirklich voneinander getrennt sind. Aber eigentlich weiß ich nicht, in was für einem Raum wir uns befinden. Ich kann mich auch gar nicht erinnern, wie er mich hergebracht hat.

Es dauert einen Moment bis ich die Bedeutung seiner Worte verstehe. Ich muss mich noch an die Situation gewöhnen. Mich zurechtfinden. Aber es ist eine schwache Hoffnung. Obwohl ich eigentlich weiß, dass es diese reelle Chance überhaupt nicht gibt. Er wird weitermachen, ganz egal, was ich sage. Es gibt keine Antwort. Ich weiß es und er weiß, dass ich es weiß. Das macht es vermutlich umso interessanter für ihn, eine Reaktion zu provozieren. Die Illusion einer Chance. Werde ich versuchen, sie zu nutzen?

Einem Teil von mir widerstrebt es sehr, ihm zu geben, was er will. Meinem Peiniger. Doch dieser Teil ist gerade schwach. Die Option zu verlockend. Vielleicht gibt es sie ja doch, diese Chance? Wenn mir nur irgendetwas einfällt. Eine kluge Idee. Aber mein Verstand funktioniert nicht richtig. Das Denken fällt mir schwer. Gedanken kommen und lösen sich auf, bevor ich sie richtig greifen kann. Der größere Teil von mir hat einfach Angst. Ich kenne nicht alle Geräusche, die er macht. Das verunsichert mich. Das Publikum, vor dem er über die Feinheiten seiner Befragung referiert, verunsichert mich. Dass er nicht anfängt, verunsichert mich.

Ich bin nackt. Nur mit einer Hand an ein Andreaskreuz gefesselt. Ich fühle seine Konturen an der Wand, die meine kleine Welt an diesem Ort begrenzt. Es ist gepolstert. Etwas Weiches zwischen all dem Harten hier. Ich kann mich drehen. Ich kann mich winden. Aber ich komme nicht weg. Er hat mich mit den bösen Handschellen festgebunden. Die, die nur eine breite Verbindung mit drei Gliedern haben. Und Kanten, so dass ich nichtmal mit meinen kleinen Händen und diesem einen Trick, die Finger zu schließen, hinauskommen werde. Trotzdem probiere ich es. Sie sitzen trügerisch locker an meinem schmalen Handgelenk, aber an den Knochen komme ich einfach nicht vorbei. Ich konzentriere mich auf seine nüchterne, böse Stimme. Spüre seine Gegenwart. Die Einleitung seines Vortrages ist vorbei. Gleich wird das Verhör endlich beginnen. Er ist mir ganz nah. Zu nah. Ich fühle, wie er mich ansieht und beobachtet.
„Ist es sicher?“, höre ich ihn ruhig aber sehr bestimmt fragen.
Es lässt mir das Blut in den Adern gefrieren, obwohl ich ja damit gerechnet habe. Denn dies ist die eine Frage, auf die es ganz bestimmt keine Antwort gibt. Dennoch rufe ich ihr eine entgegen, bettele, wimmere. Aber die Stimme reagiert nicht auf mich.

„Sie sehen, das Objekt zeigt keine Reaktion. Es schweigt. Nun gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie wir es zum Reden bringen können“, fährt die Stimme sachlich fort. Kunstvoll spielt sie mit Betonungen und Pausen. Ich glaube, sie sind nur für mich gedacht, damit die Informationen sich tiefer in mein Bewusstsein graben können. Noch bevor sie weiterspricht, drängen sich mir unterschiedlichste Möglichkeiten in den Sinn. Vertreiben kann ich diese Ideen nicht mehr. Die Stimme ist es gewohnt vor Menschen zu sprechen, ihnen etwas zu vermitteln.

Mir wird klar, dass es nicht nur keine richtige Antwort gibt, sondern dass ich sogar völlig ignoriert werde. Als wäre ich gar nicht da. Oder besser gesagt, als wäre meine Persönlichkeit nicht existent. Ich versuche, mich zu verteidigen. Der Stimme zu erklären, dass ich doch etwas gesagt habe. Dass sie mir zuhören soll. Aber das will sie nicht. Es geht nicht um die Antwort, sondern darum, mich zu quälen. Eine Reaktion hervorzurufen. Und es funktioniert. Die Erkenntnis trifft mich. Trotzdem bettele ich weiter. Möchte dem Mann, der zu der Stimme gehört, klarmachen, dass ich die ganze Zeit rede. Er macht Geräusche, die ich nicht zuordnen kann. Jedes davon erschrickt mich. Ich höre, wie er sich durch den Raum bewegt. Raubtierhaft, lauernd, mich weiter beobachtend. Jeder Muskel in meinem Körper ist angespannt. Ich bin bereit zur Flucht, wenn sich mir nur eine Möglichkeit bietet. Doch die gibt es gerade nicht.

Er wiederholt seine Frage. Ich wiederhole meine Antworten. Dann kommt der erste Schlag. Seine anfänglichen Ausführungen, eine gefühlte Ewigkeit, waren nur die Vorbereitung auf diesen Moment. Ein Auftakt. Die Steigerung meiner Angst und des Ohnmachtsgefühls. Ich höre mich schreien. Mehr vor Schreck, als vor Schmerz. Spüre, wie mein Körper entkommen will, Richtungen sucht, in die er sich bewegen kann. Fort von dem Schmerz. Fort von der Stimme. Doch die Handschellen halten mich erbittert fest. Und wo sollte ich auch hin? Selbst wenn ich frei käme, wäre es für ihn nur ein beiläufiger Griff, eine mühelose Bewegung, mich wieder einzufangen. Ich zittere, weiß nicht, was als nächstes kommt. Versuche mich in meiner eingeschränkten Bewegungsfreiheit, in meiner schutzlosen Nacktheit, irgendwie doch vor ihm zu schützen, obwohl es hier keinen Schutz für mich gibt. Hier gibt es nur ihn, seine Instrumente, das Publikum und meinen verletzlichen Körper. Meine Schreie werden nicht erhört. Mein Betteln verhallt irgendwo zwischen den Worten seines makaberen Vortrags und den Schlaggeräuschen seines Spielzeugs auf meiner nackten Haut.

Ich zittere immer stärker. Muskeln spannen sich willkürlich an und verkrampfen. Schläge treffen auf meinen Körper, auf meine Beine, auf meine Füße. Doch sobald ich sie wegdrehe, gebe ich meine empfindliche Fußsohle preis. Das ist noch schlimmer und ich präsentiere ihm wieder einen anderen Körperteil. Er nutzt jede Möglichkeit, die sich ihm bietet. Mein Herz rast, mein Kopf dröhnt. Der Schmerz ist überhaupt nicht heftig, aber meine Anspannung ist so groß, dass sich jede Berührung, jedes Geräusch wie eine gewaltige Lawine aufbaut, über mein überreiztes Bewusstsein hinwegfegt und mich mit sich fortreißt. Ich habe keine Kontrolle mehr über meine Muskulatur, beobachte meine Reaktionen, versuche nicht daran zu denken, was mir noch bevorsteht. Doch meine Fantasie arbeitet und hinter der Augenbinde, der Mauer, die mich von der Welt trennt, die mich in meiner Vorstellungskraft, einem Panoptikum der Grausamkeiten, einschließt, laufen tausend Bildfolgen ab. Eine schrecklicher als die andere. Drohende Ungeheuer, die versuchen mir aufzulauern und meine Furcht immer weiter wachsen lassen.

Angstschweiß läuft an meinem Rücken hinab. Ich spüre ihn auf jedem Zentimeter meiner sensibilisierten Haut. Warm und kalt zugleich. Feucht. So, wie die Nässe zwischen meinen Schenkeln, von der mein verrätischer Körper viel zu viel produziert, um es vor meinem Foltermeister verstecken zu können. Prüfend greift er in den wartenden Spalt. Wie gewohnt trägt er diese Handschuhe, die ihn von mir trennen. Irgendwo darunter ist seine warme, weiche Haut. Doch die Nähe, die ich so sehr brauche, bekomme ich jetzt nicht. Der Drache spielt mit mir. Ich komme nicht weg, kann nicht verhindern, dass er meine Geilheit bemerkt. Wut und Trotz regen sich in mir, nur um sofort bitterer Verzweiflung zu weichen.

Ich höre ihn erklären, dass ich wieder keine Reaktion gezeigt hätte. Dass härtere Mittel notwendig seien. Mein halbersticktes Winseln wird nicht gehört. Doch irgendwo in meinem Innern hallt noch immer das Echo seiner Stimme nach, das eine reelle Chance versprochen hat. Ich klammere mich an die Vorstellung, dass es sie doch geben könnte. Die Schwimmweste in diesem dunklen Meer der Angst, in dem ich vor mich hin treibe und versuche, meinen Kopf über Wasser zu halten. Meine Verzweiflung wird potenziert durch diese absolute Degradierung zum Objekt. Meine Persönlichkeit scheint sich aufzulösen, zu schwinden. Ich weiß ja, dass es sie gibt. Ich kenne mich. Hier aber zählt sie nicht. Oder eben nur zum Zweck dieser abscheulichen Befragung. Meine Reaktionen dienen einzig der Demonstration seiner Methoden und was sie in mir, dem Objekt, hervorrufen. Nein, er wird keine Nachsicht haben.

Dann zwingt er meine Fußgelenke in die Manschetten einer Spreizstange. Ein bisschen wehre ich mich, aber die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens, ist mir zu deutlich bewusst und meine Bemühungen bleiben deshalb eher halbherzig. Was hätte ich ihm jetzt schon entgegenzusetzen? Also füge ich mich, spüre wie sich die Fesseln um meine Haut schließen. Die Stange hält meine Beine nun unnachgiebig auseinander und ich präsentiere ihm breitbeinig meine empfindlichsten Stellen. Noch mehr Fläche für seine Schlaginstrumente. Ich höre etwas über den Zugriff auf alles. Den Kontext kann ich aber nicht erfassen. Zu viele Emotionen kochen in mir hoch und drohen, mich zu zerreißen.

Erinnerungen schleichen sich in mein Bewusstsein. Nähe und Geborgenheit, die ich in seinen Armen gefunden habe. Unser leises Lachen aus diesen Momenten klingt seinen fröhlichen Klang in meine düstere Realität. Unser Pakt, dass ich ihm gehöre für die Momente unserer Lust und vielleicht sogar ein wenig darüber hinaus. Wir sind Komplizen, Weggefährten. Ich möchte ihn in mir aufnehmen. Ihn spüren und so den Bann der Kälte brechen, der mich in sich einschließt. Würde er doch nur in mich eindringen, mich von meiner Angst befreien. Meine Lust quält mich fast genauso sehr wie er. Ganz in diesem Gefühl, gefangen zwischen Leid und Lust, verliere ich mich. Kann nicht mehr genau sagen, was wirklicher ist. Gibt es das imaginäre Publikum vielleicht tatsächlich?

Fiktion und Realität beginnen sich in einem beunruhigenden Spiel zu vereinigen. Und in diesem Moment spüre ich den Gürtel. Wie eine Schlaufe will er ihn mir um den Hals legen. Diesmal wehre ich mich wirklich, möchte entkommen. Er aber folgt meinen Bewegungen, packt mich. Die Spreizstange lässt meine Bemühungen vermutlich kläglich wirken und trotzdem kämpfe ich, winde mich in seinen kräftigen Armen. Erstaunt darüber, dass ich in dieser Eingeschränktheit noch so viele Möglichkeiten habe, mich zu bewegen. Und plötzlich ist da dieser eine Gedanke, erschreckend klar: Was, wenn doch alles echt ist?

Das erste Mal ist das Safeword gefallen. Kein Schrei. Ein leises, beinahe ersticktes Wimmern, in dem sich die Anspannung still entlädt. Mehr hoffend, als sich seiner Wirkung sicher. Irgendwie bin ich überrascht, dass du darauf reagierst. Dass du zu mir zurückkehrst. Dass doch alles nur ein Spiel gewesen ist. Du schließt deine Arme um mich, hältst mich, flüsterst mir sanfte Worte zu. Nimmst mir die Augenbinde ab. Der Raum ist mir vertraut. Hier ist nichts Böses. Keine Bühne, kein Publikum. Nur du und ich. Und augenblicklich wünschte ich, ich hätte durchgehalten. Trotzdem tut es gut, dich zu spüren. Deine weiche Stimme zu hören. Mich von ihr zurück in die Realität holen zu lassen. Zu sehen, dass wir noch immer wir sind. Ich schmiege mich an deine Schulter und atme deinen vertrauten Geruch ein. Du bist behutsam, zärtlich, liebevoll. Dann machst du mich los und führst mich in einen anderen Raum. Es ist alles wie immer und doch ein bisschen anders. Der Augenblick ist intensiver. Geflüsterte Worte durchdringen mich und meinen Geist. Hallen in mir wieder. Schmerz macht stark, hast du gesagt. Und in diesem einen Moment größter Schwäche, beginne ich daran zu glauben.

Der unbändigen Zähmung

Du bist mein Fels in der Brandung. Eine feste, unveränderliche Größe in dieser flüchtigen Welt. Ich habe keinen Einfluss auf dich. Du bestimmst den Rahmen und meine Grenzen. Ich lasse mich fallen. Wenn ich etwas mache, was dir nicht gefällt, bleibst du ruhig. Du ärgerst dich nicht, denn ich habe nicht die Macht, dich zu verärgern.

Manchmal stellst du nur eine knappe Frage, die mir zeigt, dass ich etwas falsch gemacht habe. Manchmal weist du mich leise zurecht oder sagst, was du von mir erwartest. Milde lächelnd, weil dir bewusst ist, dass du die Leine in der Hand hälst. Weil du weißt, dass ich mich von dir führen lasse, wenn du es wirklich willst. Es ist deine Entscheidung, ob du mich gewähren lässt. Das bekomme ich zu spüren. In diesen Momenten, in denen du meine Angst und meinen Schmerz willst. In denen ich dir ausgeliefert bin. Wenn er da ist. Der Drache. Vor ihm fürchte ich mich. Er lässt mich schwach und erschöpft zurück, aber dann kommst du wieder und hältst mich fest.

Es ist seltsam, wie bereitwillig ich dir folge. Dein Zauber lässt mich glauben, dass ich alles freiwillig gebe. In deinen Fesseln fühle ich mich frei. Denn du kennst die Knoten, die mich ausbrechen wollen lassen würden. Du bist sehr geschickt darin, mir das Gefühl zu geben, ich hätte eine Wahl. Das ist deine Kunst. Manches nehme ich wahr. Das ist aber vermutlich nur ein kleiner Teil. Natürlich spielst du mit meiner Angst und mit dem Wunsch, dir zu gefallen.

Wobei ich nicht begreife, warum ich Strafe fürchte. Du bestrafst mich ja nicht und du tust mir auch so weh. Weil du es willst. Weil du Spaß daran hast, mich zu quälen. Meine Angst und meinen Schmerz genießt. Doch du kannst sehr gut erklären. So, dass ich verstehe, was dir gefällt und was nicht. Ich möchte nicht, dass du mir etwas erklären musst.

Manchmal lässt du die Leine locker, dann laufe ich und vergesse kurz, dass ich gebunden bin. Ich kann sein, wie ich bin. Sagen, was mir in den Sinn kommt. Tun, was ich möchte. Aber es ist nur eine scheinbare Freiheit, denn du holst mich zurück auf den Boden, wenn dir danach ist. Ich gehorche. So selbstverständlich, dass es mich manchmal erschrickt, wenn ich es bemerke.

Am Anfang hast du mal gefragt, wie wichtig mir meine eigene Sexualität sei. Ich habe geantwortet, sie sei mir sehr wichtig. Bei dir stimmt das nicht so ganz. Dein Genuss ist mir viel wichtiger als meiner. Das verstehe ich noch nicht so ganz. Vielleicht reicht es aber auch einfach, das Gefühl zu genießen. Deinen Anblick, wenn du dir das nimmst, was du möchtest. Den Hunger in deinen Augen. Das Raubtier auf der Jagd.

Du bist die Konstante. Ich kann mich in deinen Fesseln winden, aber die Knoten bleiben fest. Wenn du etwas sagst, machst du es. Wenn du eine Entscheidung getroffen hast, steht sie fest. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, erklärst du es mir. Wenn du den Drachen frei lässt, leide ich. Doch du bleibst immer da und zeigst mir den Weg. Hältst meine Hand und führst mich durch die Dunkelheit. Durch die Abgründe in uns. Die bittersüßen Momente unserer Lust.

PEINliche Befragung

Ich bin nackt. Mit Handschellen an die Kette an der Wand gefesselt. Du hast mir etwas Bewegungsfreiheit gelassen, indem du einfach nur eine Handschelle hinter der Kette hindurch gezogen hast. Doch diese Freiheit ist begrenzt. Weg komme ich nicht. Eine Hand vor der Kette, eine dahinter. Dazwischen Metall auf Metall. Dann hast du mir einen Sack über den Kopf gezogen und mich allein gelassen. Nackt und angekettet warte ich auf dich. Eine Minute hast du gesagt. Der schwarze Stoff ist dünn und etwas durchsichtig. Der Raum dahinter verschwimmt zu vagen Formen und obwohl er mir so vertraut ist, kämpfe ich darum, die Orientierung zu behalten.

Wo bist du hingegangen? Geräusche dringen von irgendwo auf mich ein. Mein Puls beschleunigt sich. Ich frage mich, was du mit mir vor hast. Du hast die Instrumente, mit denen du auf mir spielen wirst, schon bereitgelegt. Eine Peitsche hat geknallt. Ich bin zusammengezuckt. Dieses Geräusch kenne ich. Andere konnte ich nicht zuordnen. Eine Minute kann sich sehr lang anfühlen. Ich weiß, dass du mir diese Zeit ganz bewusst lässt. Trotzdem verfehlt sie ihre Wirkung nicht. Ich frage, wo du bist. Du antwortest sogar. Damit habe ich gar nicht gerechnet. Es tut gut deine Stimme zu hören, nicht ganz allein zu sein. Noch eine halbe Minute warten. Dreißig Sekunden. Ich zähle nicht.

Schritte, die näher kommen. Du ziehst mir den Sack vom Kopf, doch du bist nicht da. Er ist da. Andere Kleidung, ein harter Blick. Du bist warm und stark, er ist kalt und unnahbar. Und mit ihm bin ich jetzt allein. Er zieht sich Latexhandschuhe an. Das hasse ich, denn sie machen jede Berührung unpersönlich. Ich bin sein Objekt und gleich wird die Behandlung beginnen. Ich habe Angst vor ihm. Er wird mir weh tun.

Jetzt ist er ganz nah, sieht mir in die Augen. Der Hunger, den ich sonst darin lese, ist kalter Grausamkeit gewichen. Sie erregt mich. Seine Stimme ist ein bedrohliches Flüstern: „Ist es sicher?“, fragt sie ruhig. Ich bin verwirrt, weiß nicht, was er meint. Also versuche ich es mit einem Ja. Es war die falsche Antwort. Er wird böse und schlägt zu. Die Frage wird mich das ganze Spiel hindurch begleiten und der Schmerz, der darauf folgt. Wahrscheinlich gibt es gar keine Antwort, aber die Angst vor seiner Reaktion lässt mich alles mögliche ausprobieren.

Der Rohrstock knallt auf meinen Fußrücken. Es ist ein heftiger Schmerz. Nicht beißend, nicht dumpf. Irgendetwas dazwischen. Ich habe Angst, versuche die empfindlichen Körperregionen zu schützen. Doch dann treffen die Schlaginstrumente eine neue Stelle. Am schlimmsten sind die Beine. Die Peitsche schlingt sich wie eine Schlange um sie und beißt zu. Spitze Zähne scheinen sich in meine Kniekehlen zu bohren. Ich hasse meinen Foltermeister. Komme nicht weg von ihm. Er findet immer neue Flächen, die ihm schutzlos ausgeliefert sind. Irgendwo zwischen Wut und Verzweiflung verliere ich mich. Verliere mich im Kampf gegen seine Macht.

Dann packt er meinen Fuß und lässt mich meine Fußsohle preisgeben. Ich weiß, was kommt und dass es schlimm wird. Bitte ihn, es nicht zu tun. Doch er redet nicht mit mir. Reagiert nicht auf mich. Nur diese eine Frage wiederholt er wieder und wieder. Jeder Muskel in meinem Körper ist angespannt. Mein Körper wartet auf das, was ihn gleich erwartet. Dann knallt der Griff der Peitsche unbarmherzig auf die empfindliche Haut. Der Schmerz lässt nicht nach, sondern breitet sich in Wellen aus. Eine Schmerzkaskade. Noch ein Schlag und noch einer. Schmerz, der in Schmerz übergreift. Sich pulsierend aufbaut, ohne wieder abzuebben.

Ich bin der Schmerz, kann nicht mehr klar denken, verliere die Beherrschung. Nur ein einziger Gedanke ist geblieben: Fortkommen. Irgendwie. Weg von ihm. Den Fuß drehen. Nicht noch einen Schlag spüren. Ich winde mich in seinen Armen. Doch er folgt meinem Körper mit geschmeidigen Bewegungen, so dass mein Fuß in der richtigen Position bleibt. Seine Arme halten mich wie ein Schraubstock. Ich schreie ihn an, denn es ist die einzige Freiheit, die ich in diesem Augenblick noch habe. Er wird erst dann aufhören, wenn er es will. Ich überlege, ob ich ihn mit irgendeiner Antwort zufriedenstellen könnte. Weiß aber, dass es sinnlos ist.

Er will mich quälen. Egal, was ich sage oder mache. Ich denke darüber nach, ihn zu treten oder zu beißen, aber das traue ich mich dann doch nicht. Er braucht ja nicht mal sein Werkzeug, um mich zu bezwingen. Ein paar Griffe reichen und ich kniee vor ihm. Ich spüre seine Hand an meinem Hals und wundere mich darüber, dass ich gar keine Angst habe. Er weiß ganz genau, was er macht. Die Erkenntnis gibt mir eine seltsame Ruhe und ich lasse mich fallen. Tief und tiefer in meine Lust an seinem grausamen Spiel. Ich bin nass. Mein Körper ist ein mieser Verräter.

„Ist es sicher?“, fragt er wieder und sieht mir dabei in die Augen. Ich halte stand, bin wütend, bin ängstlich, bin geil. All das will ich ihm zeigen und öffne ihm den Blick in meine Seele.
„Es gibt keine Antwort.“, erwidere ich trotzig. Es ist mir gleichgültig, was geschehen wird. Bis ich den Schmerz fühle. Süßen, köstlichen, schrecklichen Schmerz. Angst. Und Lust. Die Gefühle wechseln im Sekundentakt. Ein Rausch der Sinne. Mein Wunderland.

Irgendwann ist es vorbei und du bist wieder da. Hältst mich fest, fängst mich auf, streichelst mich. Ich fühle mich geborgen. Bin ganz im Moment. „Starkes, zartes Mädchen.“, lächelst du sanft und warm. Endlich bist du zurück. Du sagst, du seist stolz auf mich und kindliche Freude erfüllt mich. Es fühlt sich richtig an, dich stolz zu machen.

Devote Liebe

Ich denke an dich. Immerzu denke ich an dich. Manchmal fange ich dabei an zu weinen. Nicht weil ich traurig bin. Nicht weil ich dich vermisse. Sondern weil die Gefühle so intensiv sind. Weil es sich so schön anfühlt, dass ich es kaum aushalten kann. Worte gibt es nicht dafür. Keine Beschreibung wird dem Zauber gerecht, den du auf mich ausübst.

Wenn du in meiner Nähe bist, werde ich nervös und unsicher. Ich möchte alles richtig  machen, doch selbst die einfachsten Aufgaben bekomme ich dann nicht mehr hin. Auch das ist ein schönes Gefühl. Es ist nichts Schlechtes daran. Es gehört dazu. Ich genieße meine Unsicherheit. Die süße, köstliche Angst nicht gut genug für dich zu sein.

Wenn ich dich ansehe, bin ich gebannt von deiner Ausstrahlung. Die Macht unserer Verbindung nehme ich fast physisch wahr. Es ist unglaublich. Du machst mich still und sanft und anschmiegsam. Dann fühle ich mich wie ein kleines Mädchen, dessen größter Wunsch es ist, dir zu gefallen und dir gehorsam zu sein. Manchmal versuche ich mich etwas zu wehren. Weil ich Angst habe, dass ich langweilig bin, wenn ich es dir zu leicht mache. Doch die Versuche scheitern kläglich.

Ich werde immer tun, was du willst. Es fällt mir überhaupt nicht schwer. Es kostet mich keine Überwindung. Es ist selbstverständlich. Es ist kein Spiel. Es ist was es ist und dafür gibt es keine Worte. Herr, sklavin, Devotion, Dominanz, BDSM: Das alles sind nur leere Begriffe, die das, was ich für dich empfinde nicht benennen können. Es ist so viel mehr, so viel tiefer.

Wenn wir miteinander spielen. Wenn du mich schlägst, wenn du mich demütigst, wenn du mich fickst. Dann ist das SM. Doch unser Spiel hört damit nicht auf. Es ist immer da. Zu jeder Zeit. Nur ist es dann kein Spiel mehr. Es ist unsere Beziehung und das, was wir füreinander sind.

Ich möchte, dass es dir gut geht. Dass du glücklich bist. Für mich bist du der wundervollste Mensch auf dieser Welt. Du bist mein Freund, mein Partner und mein Herr. Du bist der Eine. Der einzige, den ich möchte. Wo unsere gemeinsame Reise hingeht, weiß ich nicht. Aber das ist auch gar nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass wir uns jetzt haben. Für jeden Moment, den ich an deiner Seite verbringen darf, bin ich dankbar.